Der Finanzpodcast für Anfänger
speaker-0: Willkommen bei How I Met My Money. Ich bin Lena, freie Journalistin und Interviewerin.
speaker-1: Ich bin Ingo, Honorarberater, Finanzcoach und ein kleines Kapitalistenschweinchen. In diesem Podcast geht es nicht nur ums Geld, sondern auch darum, was Geld mit dir macht. Mit dem Gefühl, nie genug zu haben. Mit Streit in Beziehungen. Mit Freiheit. Mit Sicherheit. Und manchmal auch mit Scham.
speaker-0: Wir sprechen mit Experten aus Wissenschaft und Praxis und stellen die Fragen, die du dir vielleicht so noch nie gestellt hast. Warum gehe ich mit Geld so ⁓ wie ich es eben tue? Was habe ich über Geld in der Kindheit gelernt? Und stimmt das eigentlich alles noch?
speaker-1: Hier bekommst du wirkliche Aha-Momente, echte Geschichten, praktische Tipps und Hacks und den Raum tiefer zu gehen.
speaker-0: Denn wer sein Geld versteht, der lernt auch sich selbst besser kennen.
speaker-1: Power Bank Money wird produziert und vermarktet von Myverk Finanzpartner und der OFA Online Finanzakademie. Und jetzt viel Spaß mit dieser Folge.
speaker-0: dass wir als Luxus empfinden, das zeigt ziemlich ehrlich, wo wir gerade im Leben stehen. Und was uns gerade fehlt. Luxus erzählt etwas über unsere Lebensphase, unsere Persönlichkeit und die Art Mensch, die wir gerade sind und vor allem auch die, die wir mal waren. Wir haben heute jemanden eingeladen, die das wissenschaftlich untersucht. Professor Dr. Eva Aßelmann. ist Professorin für Persönlichkeitspsychologie an der HeimU in Potsdam. und erforscht, wie Menschen sich im Laufe des Lebens verändern, was uns prägt, was uns überfordert und was uns psychisch stabil hält. Schön, dass du da bist, Eva. Ich freue mich heute hier zu sein. Hi Lena und Hi Ingo.
speaker-1: Hallo, ich vergrüße dich, schön, du da bist.
speaker-0: Freut mich. Das 5-Stern-Hotel ist für viele wahrscheinlich Luxus, die Rolex, vielleicht auch einfach mal in Ruhe die Seele baumeln lassen. Was würdest du sagen als Psychologin, was ist Luxus und welche Art von Luxus übersehen wir vielleicht? Ich würde Luxus tatsächlich noch etwas breiter fassen, nicht nur materielle Güter, sondern generell Dinge, die ich mir in meinem Alltag nur schwer oder selten leisten kann, die ich aber für sehr erstrebenswert halte. Zum Beispiel, wenn ich jetzt die alleinerziehende Mutter bin, die den ganzen Tag im Trubel von ihren Kindern umgeben ist, dann könnte Luxus sein, dass ich einfach mal eine halbe Stunde für mich habe. Oder wenn ich in Rente bin, ich sehe nie andere Menschen, ich bin eigentlich einsam, dann könnte Luxus sein, dass ich jemanden treffe, der mir wirklich mal ungeteilt bei einem Kaffee seine Aufmerksamkeit schenkt und mir wirklich zuhört. Also immer Dinge, die in meinem Alltag häufig zu kurz kommen, die aber auch nur sehr schwer verfügbar sind.
speaker-1: Wie kommt das denn, dass viele, also wirklich zumindest spontan denken, kann natürlich auch ein Glaubenssatz von mir sein, dass viele Luxus doch so viel oberflächlicher interpretieren? Also das, Lena ja am Anfang gesagt hast, Hotel, schnelle Autos, man sieht das dann ja auch immer. Fußballer finde ich das ganz extrem, ja. Dann ... ja, alles wird teuer, pompös. Und das empfindet man ja immer so bisschen als Luxus und manchmal sogar auch übertrieben. Ist das die normale Vorstellung, die Luxus haben, also die meisten haben? Oder habt ihr dazu auch mal geforscht, was sich die meisten so statistisch unter Luxus vorstellen? Sehen die das wirklich als Zeit? ist es eher so dieses Oberflächliche, was ich grad genannt hab?
speaker-0: Wir haben ja als Gesellschaft immer eine geteilte Vorstellung davon, was er strebenswert ist, auch unabhängig von der Lebenssituation eines Einzelnen. Und wir leben ja in einer Gesellschaft, die konsumorientiert ist und die auch leistungsorientiert ist. Ergo legen wir Wert auf solche Güter, weil sie etwas aussagen über eine Person. Wenn ich mir Luxusgüter, also materielle Dinge, leisten kann wie die Rolex, dann heißt es ja auch immer dass ich zu einer bestimmten Gruppe hinzugehöre, dass ich es im Leben in der Gesellschaft zu etwas gebracht habe, dass ich erfolgreich bin, dass ich dementsprechend bestimmte Kompetenzen verkörpere. Und all diese Dinge, die diese Uhr signalisiert, eingebettet in diese Leistungs- und Konsumgesellschaft, die werden von vielen Menschen als sehr, sehr erstrebenswert betrachtet. Natürlich nicht von allen Personen, es gibt auch Milieus. die jetzt die Rolex vielleicht nicht so beeindruckt. Zum Beispiel Menschen, die vielleicht eher etwas alternativer sind. Die würden eine Person jetzt wahrscheinlich nicht mehr wertschätzen, nur weil sie die Rolex hat, sondern das vielleicht sogar eher als unsympathisch empfinden. Also es hängt auch immer sehr viel mit dem eigenen Umfeld dann noch zusammen. Ingo, du bist ja unser Kapitalistenschweinchen bei ihm. Was ist so dein geheimer Wunsch? Was wäre so für dich so richtig Luxus? Was würdest du gerne mal haben?
speaker-1: Ich wurde letztens nie mal darauf angesprochen, warum ich mich so nennen lasse, Lena. Das hab ich dann ganz sympathisch erklärt. an alle, die nicht wissen und jetzt erst zuhören, hört von Anfang an mal rein, dann wisst ihr, Du hast mich ja so getauft, Lena, von daher müsstest du angemeldet
speaker-0: Das musst du schon sagen. Ich will grad auch immer fragen, wir das so tun. Also, man ist meine Glaubenssätze. So was wie Geld ist schlecht und dann wasst du einfach quasi die Projektion.
speaker-1: Ich glaube, es war einfach, dass ich mehr Finanzhintergrund habe und mehr in der Welt drin bin und dann haben wir es verniedlicht und dann war es okay für alle.
speaker-0: Also wer jetzt noch mal fünf Jahre zurück spult, gerne macht das. Gerade die Anfangsfolgen sind wahnsinnig erhellend. ⁓ alle mitzunehmen, die gerade zum ersten Mal bei himm reinhören, ich hatte wirklich ein sehr schlechtes Bild, wenn es ⁓ Geld und Finanzen ging. Und heute sehe ich das ganz anders. Heute bin ich einfach total neugierig und will immer weiter lernen, sowas. Hinter Geld steckt was, was für Emotionen das auslöst, warum das so ist. Also bleiben wir mal vielleicht bei diesen Luxusgütern. sagen wir für jemanden im Alltag fehlt Geld und damit ist es sozusagen ein Luxus, wenn man ausreichend Geld hat. Ist das etwas, was du beobachten konntest in deiner Forschung, dass das wirklich für viel, also Geld gleich Luxus, dass das etwas ist, was stark vertreten wird? Auf jeden Fall, das ist ja so der CommSense. Die meisten Dinge würden materielle Luxusgüter nennen, wenn man sie fragt, was ist Luxus? Davon bin ich überzeugt. Und der Benchmark, der kann natürlich sehr verschieden sein. Wenn jetzt jemand im Alltag gar kein Geld zur Verfügung hat, dann ist vielleicht Luxus, dass ich einmal im Supermarkt das einkaufen kann, wo ich Lust drauf habe, was ich gerne essen möchte. Und wenn ich jemand bin, der im Geld badet, dann ist vielleicht für mich die persönliche Luxusjacht im sonstwo Hafenluxus, dieser Referenzpunkt ab wann ist das denn materieller Luxus, der ist sehr sehr individuell und hängt auch ab von dem, was ich im Alltag typischerweise zur Verfügung habe.
speaker-1: Verschiebt sich das eigentlich? Also, es Messungen, ab wann man überhaupt Luxus als Luxus wahrnimmt? Ab welchem Alter? also, wenn ich mir jetzt vorstelle, ich wär ein Zehnjähriger und freu mich über ein Eis und dass wir in den Freizeitpark fahren, dann nehm ich das ja einfach erst mal so hin und würde das gar nicht zwangsläufig als Luxus interpretieren. Ab wann beginnt sich so ein gewisses Luxusdenken zu bilden? Oder durch welche Umstände eigentlich?
speaker-0: Ich was sich vor allen Dingen verändert, ist dieses Label Luxus. Ich würde sagen, ein Achtjähriger, wenn du dir jetzt sagst, boah, jetzt hier kannst du so viele Süßigkeiten essen, wie du willst, oder wir fahren jetzt in den Freizeitpark, würde der das schon auch als Luxus wahrnehmen und verstehen. Aber nenn dir Das bekomme ich nicht alle Tage, aber wahrscheinlich nicht so nennen. Nee, nicht so nennen. Also das setzt ja immer voraus, dass man ein gewisses darüber reflektiert, was ist normal zu haben, was ist außergewöhnlich zu haben, was ist vielleicht auch gesellschaftlich erstrebenswert und dann verwenden wir irgendwann diese etwas nuancierteren Erwachsenenbegrifflichkeiten, die wir vielleicht als Kinder so noch gar nicht haben. Aber dieses intuitive Verständnis von das hier ist außergewöhnlich, das ist besonders wertvoll für mich, das haben natürlich auch schon Kinder.
speaker-1: Und wie verschiebt sich das dann nach der Kindheit? Also über das Jugendlichsein, frühes Erwachsenenalter, Mid-Agers und so weiter? Gibt es da Tendenzen?
speaker-0: Im Schnitt ist es natürlich so, dass sich Menschen gerade in den 20-, 30-, 40er-Jahren so ein gewisses Vermögen aufbauen im Mittel. Häufig ist es so, dass ich als Studentin wenig Geld zur Verfügung habe. Da muss ich wirklich gucken, wo ich bleibe im Alltag, bin materiell wahrscheinlich eher bescheiden unterwegs. Häufig haben sich Menschen dann aber im mittleren Erwachsenenalter so ein gewisses Vermögen aufgebaut, natürlich nicht alle Menschen, aber im Schnitt sind Menschen da Vermögen da als jetzt noch in den Zwanzigern. Und dann wird häufig Zeit ein knappes Gut, weil gerade zwischen 30 und 40 sind viele Menschen auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, haben da also wenig Zeit und haben zusätzlich noch kleine Kinder, sind also gleichzeitig eingebunden in diese Kehrarbeit. Und gerade diese Phase ist unheimlich stressig, was Zeit betrifft, sodass Zeit als Luxusgut in den Vordergrund rückt. Bevor wir zum nächsten inhaltlichen Part kommen, einmal auf dieses Luxus ist, was uns fehlt eingehen. Denn ehrlich gesagt, wenn ich an Luxus gedacht habe, habe ich immer an Anhäufungen gedacht von Dingen. Und du erklärst es uns ja eher als Mangelzustand. Sehe ich das richtig? Genau, wenn ich etwas immer habe, dann verliert es irgendwann den Wert. Zum Beispiel Kaviar, das finden viele wertvoll, weil das halt teuer ist. Man isst es nur in ganz kleinen Portionen. Aber wenn du dir jetzt mal vorstellst, du könntest Kaviar kiloweise essen und das wäre so günstig wie Mehl, würdest du einfach den Wert verwirren, diesen Anreiz. Also es hat immer etwas damit zu tun, dass es nur begrenzt verfügbar ist. Das macht Sinn. Kaviar, ich bin nicht so der Kaviar-Fan, aber ich verstehe das Beispiel sehr gut. Das ist sehr gut. Ja, ich erinnere mich zum Beispiel auch an meine Studienzeit, weiß ich noch sehr genau, da habe ich gerade gelernt für eine Klausur und war da total gestresst und fand es auch einfach nur ganz schlimm und bin danach aber mit einer Gruppe in so einen Cluburlaub gefahren, so all you can eat, so all inclusive mäßig und ich habe mir wirklich jeden Tag während dieser Vorbereitung vorgestellt, wie ich dann da sitze und einen Cocktail nach dem anderen schlürfe und so wirklich total massiert, wie toll das dann wird und in diesem Urlaub fand ich das dann aber überhaupt nicht mehr. irgendwie erstrebenswert. Das hat mir dann gar nichts gegeben und ich habe da vielleicht zwei Cocktails in diesem Urlaub getrunken und ich glaube, das verdeutlicht ganz gut, dass wenn etwas en masse verfügbar ist und ich das wirklich jeden Moment haben könnte, ist es irgendwann persönlich nicht mehr wertvoll.
speaker-1: Yvva, sag mal, warum ist denn konkret für jeden Luxus eigentlich anders? Also was steckt dann psychologisch wirklich dahinter? ... Also ist es der Wert der Sache, also der Rolex? Oder du hast ja grad schon mal bisschen beschrieben, aber vielleicht können wir da mal so bisschen tiefer reingehen. Denn vermeintlich entstehen da auch sehr irrationale oder komische Reaktionen, wenn man über Luxus nachdenkt. Kannst uns da mal so bisschen mitnehmen, was die Forschung dazu sagt und was vermeintlich wirklich dahinter steckt?
speaker-0: Es hat natürlich sehr viel damit zu tun, wie ich aufgewachsen bin und welche Werte ich in meinem Elternhaus und meinem Umfeld schon in der Kindheit erfahren habe. Denn da entwickeln wir ja dieses Feeling dafür, was gilt als erstrebenswert und was ist auch ein Statussymbol. Gruppen oder Familien, da wird sehr viel Wert gelegt auf das äußere Ersteinungsbild, dass man es zu etwas bringt, dass man sich außen hin gut darstellt, repräsentiert, gestylt, aus dem Haus geht, ein Auto hat einen entsprechenden Urlaub, fährt und so weiter und so fort. Und das formt natürlich, wie wir selbst die Welt sehen und wie wir auch auf Luxusgüter blicken und Personen, die aufwachsen in einem anderen Haushalt, wo es vielleicht gar nicht so was geht, wo sowas eher ablehnend bewertet wird. Ich kenne zum Beispiel viele Personen aus der ehemaligen DDR, sagen, Mensch eigentlich... Genau. In meinem Umfeld gilt sowas eher als abstoßend oder ich traue mich gar nicht, so nach außen durchzukehren, weil dann werde ich eher als arrogant wahrgenommen und das zeigt eigentlich sehr gut, wie stark man da geformt wird durch seine Familie, durch das Milieu, in dem man aufwächst. Dann gibt es natürlich auch Kontrasteffekte. Wenn du zum Beispiel erlebt hast, Mensch, als Kind, ich musste immer die abgetragenen Sachen von meinem großen Bruder anziehen, mir wurde nie irgendwas gekauft für mich oder so, dann kann es natürlich sein, dass du dir wirklich vornimmst, Mensch, wenn ich mal groß bin und Kinder habe, ich fand das so schrecklich, ich werde das anders machen und ich werde denen Kleidung en masse kaufen oder so. Also, dass man sich ganz bewusst abgrenzt und versucht, als Erwachsene gewisse Dinge anders zu priorisieren, weil man das als Mangel und als Einschränkung empfunden hat als Kind.
speaker-1: Wir haben ja häufig auch diese Geldpsychologie, die wir verwenden. Da geht es ja häufig eben eigentlich gar nicht ums Geld, sondern das Ganze ist ja nur eine Projektionsfläche. Jetzt hast du ja gerade schon über Erziehung, Kindheit gesprochen. Inwieweit hat das dann wirklich auch was mit Werten, mit Glaubenssätzen zu tun oder mit der eigenen Identität, die man dann in dem Moment auf den Luxusgegenstand projiziert und sich erhofft, dass es einem das gibt, dann doch festzustellen, irgendwann, das war ein falscher Freund.
speaker-0: Das hat ganz viel miteinander zu tun, weil quasi aus diesen Erfahrungen heraus formen sich die eigenen Glaubenssätze, die ich dann als erwachsene Person immer noch mit mir rumtrage. Und viele haben ja zum Beispiel diesen oder anders gesagt viele gehen ja intuitiv davon aus, wenn ich materiell reich bin, dann bin ich glücklich. Also ohne das zu hinterfragen, das gilt für viele als so erstrebenswert, dass sie das gar nicht hinterfragen. Mensch, würde mich das überhaupt glücklich machen? Und das kann es natürlich sein, dass man sich abarbeitet, immer diesen Reichtum hinterher hechelt und selbst wenn man ihn irgendwann erreicht hat, dann auf einmal feststellt, Mensch, ich bin jetzt irgendwie auch nicht glücklicher und zufriedener, als ich vorher war.
speaker-1: Welcher Luxus macht denn glücklich?
speaker-0: Auch das kommt wieder so bisschen darauf an, wo wir sind, aber da würde ich sagen, es ist so eine Balance. Wir wissen zum Beispiel, wenn wir uns jetzt mal materiellen Wohlstand angucken, bis zu einem gewissen Level, ist Wohlstand auf jeden Fall hilfreich für das Wohlbefinden, weil dann einfach so grundlegende Geldsorgen wegfallen. Also wenn ich jetzt kaum Geld zur Verfügung habe im Alltag, muss ich mir immer überlegen, wie komme ich über die Runden? Wie kann ich meine Schulden begleichen? kann mich vielleicht auch einschränken? Kann ich das Essen, was ich möchte? Kann bestimmte Hobbys nicht ausüben? Kann Freunde nicht treffen, weil das alles Geld kosten würde? wenn das wegfällt, ganzen Sorgen und Einschränkungen, erhöht das natürlich unheimlich das eigene Wohlbefinden. Aber ab der Zahl für uns, also wie viel brauchen wir? Es gibt Schätzungen, die sagen etwa 70 bis 100.000 US-Dollar. Jahreseinkommen, gemässene am Jahreseinkommen. Da muss man natürlich einrechnen, die Inflation, also mittlerweile kostet das Leben auch einfach mehr oder wo eine Person lebt. In der Schweiz sind die Lebenskosten anders als irgendwo in einer ländlichen Infrastruktur schwachen Region.
speaker-1: Ich hab noch eine Frage, eine ergänzende Frage dazu. Gerade wo du die Einkommen nennst, es gibt ja auch die Glücklichkeitsforschung beziehungsweise die Zufriedenheitsforschung an der Stelle. Beschäftigst dich in dem Zusammenhang mit Luxus auch damit? Und kann man da Verbindungen oder auch nicht-Verbindungen herstellen?
speaker-0: Genau, das ist genau diese Forschungsschiene und die zeigt eben, dass man einem sehr hohen Einkommen nicht unbedingt weiter davon profitiert. Also wenn du jetzt Milliardär bist, dann macht das für dich im Alltag wenig Unterschied, ob du jetzt eine Milliarde oder ein paar Millionen mehr auf dem Konto hast, weil das gar keinen Impact mehr hat auf dein Leben. Das wird dann irgendwann sehr abstrakt und das kann natürlich auch dazu führen, dass deine Sorgen mehr werden. Gerade Menschen, die sehr, sehr vermögend sind. Die müssen sich Gedanken darüber machen, wie sie dieses Vermögen aufrechterhalten bzw. mehr tragen. In der Regel auch Verantwortung und das kann auch Stress und Druck ausüben.
speaker-1: Ja, und ich hab auch mal gehört, dass es, glaub ich, auch mit dem eigenen mentalen Zustand zusammenhängt. Da sind wir jetzt komplett in der Zufriedenheitsforschung, glaub ich. Aber ich meine, es wäre doch so, dass sich da verschiedene Studienherausgeber zusammengetan hätten. Die einen kamen zum Ergebnis ab 60.000, 70.000 wird man nicht mehr zufriedener, die anderen sagen schon. Dann haben die das, glaub ich, zusammengetan und haben festgestellt, es hängt im Endeffekt mit dem mentalen Zustand zusammen. Dass man sagt, Personen, Denen, es mental eh schlecht geht, hilft mehr Geld auch nicht. Denen, normal geht, ist es ein leicht steigender Anstieg. Und denen, denen es gut geht, da hilft auch mehr Geld dann tatsächlich. Aber eigentlich geht es ihnen ja auch unabhängig von Geld gut. Also hilft es natürlicherweise vielleicht auch.
speaker-0: Und was du auch gesagt hast Ingo, die Projektionsfläche, das Geld ist in der Projektionsfläche, das heißt je nachdem, was wir auf Geld projizieren, geht es uns damit auch besser oder schlechter, es ist immer wichtig zu schauen, was wieder auf Sicherheit, Unabhängigkeit etc. Ja, das sind noch immer so, da gab es jetzt gerade kürzlich, das wurde nochmal aufgerollt, dass tatsächlich einige Studienautoren sich das nochmal angeschaut haben, das war auch medial sehr, sehr präsent. Und diese Hausnummern von wegen 70 oder 100.000 Euro Jahreseinkommen, sind natürlich nur so ganz, ganz lose Benchmarks. Da zählt natürlich zum Beispiel auch ein, wie viel Vermögen habe ich eigentlich geerbt. Also Wohlstand ist ja nicht gleich Einkommen. Und vor allen Dingen diese individuellen Faktoren. wenn ich leicht depressiv bin, wenn ich ein sehr sorgenvoller Mensch bin, kann das dieses Einkommen alleine nicht kompensieren. Wie würdest du sagen, aus der psychologischen Brille wieder. Woran kann man vielleicht merken, dass jemand so Geld oder eben auch Luxusgüterbesitz zur Regulation nutzt? Also ⁓ weniger gestresst zu sein, irgendwie dieses, ich geh jetzt irgendwie fett shoppen, damit es mir wieder besser geht und ja, sich zu belohnen. Was würdest du sagen, gibt's da? Kann man das irgendwie merken? Ja, das ist so ein Trend, der durch diese ganzen Influencer tatsächlich nochmal befeuert wurde. Man sieht es ja ganz viel, ja gerade im Influencing, dass da sehr viel konsumiert wird und dass da quasi Emotionen reguliert werden durch Konsum. Und dieser Trend dahinter hat sich sehr gebildet nach den Kriegsjahren. Da hatten wir ja großen Mangel, dass sich Menschen sehr auf diese Luxusgüter im Alltag auch gestürzt haben, weil es was ganz Besonderes war, was man einfach vorher lange Zeit entbeeren musste und ist so so ein ganz festen Bestandteil unserer Kultur geworden. durch Social Media wird das häufig auch noch mehr befeuert, dass das so was ist im Alltag, wo man auch Stress gut mit kompensieren kann. Also ich hatte einen stressigen Arbeitstag und jetzt komme ich nach Hause und ⁓ da liegt mein Zalando-Paket mit den neuen Klamotten, die probiere ich jetzt mal ganz schnell an und so weiter. Letzten Endes zeigt aber die Forschung sehr klar, dass das geringen Effekt hat und dass es keine wirksame Strategie ist, seinen Wohlbefinden im Alltag, sein Stresslevel zu regulieren. Da helfen andere Strategien deutlich besser, zum Beispiel soziale Kontakte.
speaker-1: Ist das generell ... Gibt es Unterschiede zwischen normalen Konsum und Luxuskonsum? Ich mach jetzt mal Beispiel. Ich hab immer das Gefühl gehabt oder im Nachgang reflektiert, ich hab mir Zeit lang viel über Amazon geordert und auch Dinge, die vermeintlich Luxus waren und die man nicht brauchte in dem Moment. Aber irgendwann hat man festgestellt, es ist wie ein kurzfristiger Kick, man ist ein kleiner Junkie geworden. Gibt es da Unterschiede zu normaler Konsum? Also, man kauft sich jetzt was ... Also auch das ist natürlich subjektiv, aber ich kaufe mir jetzt was im Verhältnis zu dem, was ich mir sonst kaufe. Sagen wir mal, ich kaufe mir sonst was normalerweise für 50 Euro versus ich kaufe mir jetzt was für 500 Euro. Was macht das im Kopf mit einem?
speaker-0: Die Mechanismen, sind relativ ähnlich. Nur ist es natürlich so, wenn du dir jetzt einmalig was ganz Teures kaufst, dann denkst du dir da in der Regel vorher länger drüber nach und zelebrierst das mehr. Aber so nachhaltig ist dieser Effekt häufig auch nicht. Also vielleicht hast du jahrelang auf die superteure Handtasche hingespart, die jetzt ein paar tausend Euro oder so kostet, und kaufst dir die dann und stellst dann aber fest, irgendwie in meinem Alltag verändert sich erstaunlich wenig. Ich habe jetzt diese Tasche und dachte immer, das wäre ganz toll, aber irgendwie so viel macht das mit mir jetzt doch nicht, wie ich da vorher hineinprojiziert hatte.
speaker-1: Was sollte ich denn dann tun? wenn ich an dem Punkt bin, ich meine, das ist ja der erste Schritt in der Psychologie, ich muss mir dann erstmal selbst bewusst werden, ja, auch wenn es nur im Kleinsten ist. Aber jetzt nehmen wir mal an, wir haben Zuhörerinnen da draußen, sagen, ich mache das regelmäßig oder ich mache das regelmäßig aber nicht so häufig, ja, immer wieder alle zwei, drei Jahre, spar auf was hin. Und irgendwie merke ich so nach gewissen Wiederholungen, ja, befriedigen tut mich das oder glücklich machen tut mich das auch nicht. Was mache ich denn dann? ⁓ davon loszukommen, weil wahrscheinlich ist es ja ... Also, du ja wahrscheinlich auch zu Sucht werden, oder?
speaker-0: Genau. Häufig ist das ja so eine Ersatzstrategie. Also ich hatte vielleicht einen stressigen Tag und niemand scheint mich irgendwie zu würdigen bei der Arbeit und ich habe das Gefühl, alle hacken nur auf mir rum. Also kaufe ich mir jetzt was Schönes im Internet und belohne mich damit. Und ich kann mich fragen, was fehlt mir denn eigentlich wirklich? Was macht mich unzufrieden und was bräuchte ich denn, ⁓ erfüllter zu sein im Alltag, da weniger Stress zu haben und da kann ich ansetzen. Das häufig sehr gut hilft, ist das sich mitteilen, also zu investieren in gute, erfüllende, soziale Beziehungen. Dass ich zum Beispiel hier und da mir Zeit freiräume, eine gute Freundin zu treffen und mit der zu sprechen, darüber, was mich im Alltag bewegt, mich mitzuteilen. Ich könnte da zum Beispiel meine sozialen Kontakte aufleben lassen und pflegen. Oder ich kann mir überlegen, wenn ich einfach sehr, sehr gestresst bin, gibt es denn zumindest ein paar Minuten am Tag, die ich mir mal nehmen kann, ganz für mich, einmal runterzukommen, beispielsweise mit einer Entspannungstechnik. Also der erste Schritt ist immer, hast du ja gerade schon geteasert, sich zu überlegen, welche Enttäuschung oder welches Bedürfnis steckt denn eigentlich wirklich dahinter? Was kompensiere ich gerade mit diesem Konsumgut? Was bräuchte ich denn eigentlich wirklich? Und wie kann ich mir das in meinen Alltag holen? Das theoretisch zu wissen, ich glaube, das kann mir vorstellen, dass es viele, die gerade zuhören, denken, es ist mir irgendwie schon klar, dass ich zum Beispiel, weiß ich nicht, immer gerne in eine Tafel Schokolade reinhaue abends oder irgendwie jede Woche mir neue Hose kaufe. Dass das vielleicht was mir eigentlich zeigen sollte, dass irgendwas anderes fehlt. Dass anderes ja da wirklich hinzukommen, dann diese Strategien, die du gerade genannt hast, einfach Zeit für sich, sich zu nehmen. das wirklich umzusetzen. Hast du da vielleicht so einen konkreten Tipp für uns? Also wie das gehen kann, dass man wirklich wegkommt von diesen Ersatzhandlungen? Ja, ich kann anfangen, indem ich versuche, am Tag kurz innezuhalten und mich zu fragen, wie geht es mir dann eigentlich gerade? Bin ich glücklich? Bin ich weniger glücklich? Fühle ich mich gestresst, müde, hungrig? Was habe ich gerade für Bedürfnisse? Und dadurch kann ich sehr gut diesen Blick schärfen für das. was im Alltag vielleicht zu kurz kommt, was meine Warenbedürfnisse gerade sind. Und wenn sich so ein sehr auffälliges Muster eingeschliffen hat, zum Beispiel ich kaufe mir wirklich jede Woche eine neue Hose, dann kann ich da auch konkret mal drauf schauen, wie kommt es denn zu diesem Muster? Und gäbe es eine alternative Sache, die ich jetzt tun könnte, zum Beispiel anstatt mir im Internet diese neue Hose zu kaufen, vielleicht kurz zehn Minuten den Blog zu gehen und etwas anderes zu tun für mich.
speaker-1: Apropos Muster, was mich mal interessieren würde, habt ihr auch Statistiken dazu, wie sich Luxus, also Luxus auszuleben, Luxus zu konsumieren oder wie man Luxus definiert, kulturell unterscheidet?
speaker-0: Absolut. Das hängt ganz viel zusammen mit der Kultur. Beispiel Amerika ist ja sehr oder die USA, sind ja sehr konsumorientiert, wo das sehr positiv gesehen wird, zumindest in gewissen Kreisen. Auch innerhalb eines Landes gibt es natürlich eine große Varianzperson, die da sehr nachstreben und andere weniger. In Deutschland auch eher, also diese typischen westlich geprägten Konsum- und Leistungskulturen, wo das einfach als sehr erstrebenswert gilt, einen Ausdruck von Status. Auch viel im asiatischen Raum, wo gerade Luxusgüter, also diese wirklich teuren Konsumgüter, wo die als sehr, sehr erstrebenswert gelten, einfach zu zeigen, meine Familie, ich, wir sind etwas. Ja, und weniger zum Beispiel in naturverbundeneren Kulturen. Man findet aber auch große Varianzen innerhalb eines Landes. Weil man da natürlich auch ganz unterschiedlich geprägte Milieus hat, die ganz unterschiedliche Wertevorstellungen und Einstellungen gegenüber Luxus haben. Ja, weil du ja schon gesagt hast, Luxus ist biografisch, Luxus ist psychologisch kontextabhängig. Wenn wir uns jetzt mal anschauen, dass wir heutzutage in so einer Zeit leben, in der wirklich eigentlich fast alles verfügbar ist, außer eben die Ruhe, selbst einzuchecken, wie du eben vorgeschlagen hast, wie geht es mir eigentlich, Zeit, Autonomie und auch dieses Nichtmüssen. Was würdest du sagen, ist denn heute der wahre Luxus? Also gerade aktuell müssen viele Menschen auch bei uns natürlich wieder stärker gucken, wo sie materiell auch bleiben, sodass dieser materielle Luxus oder was kann ich mir überhaupt leisten, im Alltag wieder in den Fokus rückt. Die Lebensmittelpreise sind zum Beispiel ja total explodiert, das vergisst man nicht, aber für viele Menschen im Alltag bedeutet das einfach ein massiver Einschnitt, dass ich mich sehr stark limitieren muss in meinem Alltag. Und bei vielen anderen Menschen, die das jetzt vielleicht nicht direkt im Alltag merken, vielleicht nur ein bisschen ärgerlich finden, wie auch immer, steht im Fokus vermehrt diese Zeit und Ruhe, weil wir einfach in einer Zeit leben. geprägt von permanenter Reizüberflutung. Alles wird schneller, dichter, Rollen überlagern sich. Ich muss überall verfügbar sein. Ich bin immer in verschiedenen Rollen, gleichzeitig als Mutter, als Arbeitnehmende und so weiter, sodass sich viele Menschen zunehmend sehen nach so einem Rückzugsort, einfach eine Auszeit, wo man mal ganz man selbst sein kann, wo man vielleicht auch mal gesehen wird, weil häufig haben wir auch das Gefühl, dass ganz viele Menschen nur an uns zerren, irgendetwas von uns wollen. Dann gibt es Leute, die was kritisieren. Viele Menschen wünschen sich wieder diesen Wohlfühlkorkon, also einfach, dass man einmal so aussteigt, so eine Ruheinsel hat, wo man ganz man selbst sein kann und sich sicher geborgen und gewertschätzt gesehen fühlt. Das ist für viele Menschen so eine Sehnsuchtsprojektion, die immer drängender und präsenter wird im Alltag. Das klingt total wunderschön, dieser Wohlfühlkuckon. Das könnte auch bedeuten, dass viele Leute dann diesen Urlaub als Luxus empfinden, endlich mal nichts tun. Ist das denn gesund aus psychologischer Sicht, dass Urlaub Luxus ist oder sollte das nicht normal sein? Nein, natürlich ist Urlaub wichtig, dass ich mir so gewisse Phasen einbaue, in denen ich mal nicht verfügbar sein muss. Aber gerade der Urlaub, ist bei uns auch überlagert mit ganz vielen Erwartungen. Also viele Menschen haben eine unheimlich hohe Erwartung an ihren Urlaub. Der soll erfüllend sein. Man möchte da mithalten mit irgendwelchen Influencern, die strahlendsten, tollsten, aufregendsten Urlaubsabenteuer erleben, posten und so weiter. Und diese hohen Erwartungen, die führen häufig dazu, dass eine Urlaubserfahrung auch enttäuschend sein kann. Oft kommt noch dazu, dass man im Alltag sich vielleicht mit dem Partner so bisschen auseinander gelebt hat. Das funktioniert aber ganz gut, weil jeder ist in seiner Tretmühle und im Urlaub rechnen dann auf einmal diese Konflikte, verschiedene Sichtweisen und so auf. Es kommt dann also noch zu Spannungen innerhalb der Familie und so weiter. Also wenn man das angeht, den Urlaub mit so einem Leistungsmindset, das viele Menschen ja einfach so haben, dann kann der Urlaub auch nach hinten losgehen, so gut er auch gemeint ist. Und hilfreicher ist tatsächlich sich im Alltag immer wieder zu überlegen, wie geht es mir denn gerade und wie kann ich mir so ganz kleine Inseln einbauen, in denen ich mal auf mich schaue, welches Bedürfnis habe ich gerade und wie kann ich dem entsprechen, was kann ich mir jetzt gerade Gutes tun.
speaker-1: Ich habe noch ein ganz anderes Thema, was ich häufig erlebe, nämlich Luxus und Neid. Vor allem, wenn ich Luxus vielleicht selbst gar nicht so als Luxus wahrnehme. Da würde ich mal einen Begriff gerne mit ins Spiel bringen, das ist ja schon quasi im Alltagstragon, das ist ein Luxusproblem. Wo es mir vor Kurzem wieder aufgefallen ist, wir haben ein Webinar für Personen gemacht, die ... über 500.000 Euro vielleicht geerbt bekommen oder vererbt oder geschenkt bekommen haben, Haus verkauft haben, vielleicht sogar ihr eigenes, aber auch aus einer Erbschaft. Und in diesen Kommentaren von den Werbeanzeigen kamen immer mal wieder, also was für ein Problem. Also man hat quasi den, also der Neid ist schon aus allen Poren gekrochen aus meinem Bildschirm, wo ich die Kommentare gelesen habe. Und was ich auch häufig daraus erlebe, ist, dass man sich gar nicht traut. über den vermeintlichen Luxus, weil andere denken, dass das ein Luxus- ein Luxusproblem ist, wenn ich zum Beispiel nicht weiß, wie ich das jetzt anlege, weil ich das noch nie gemacht habe. Vielleicht ist es mein letztes Geld, womit ich eigene Rente beziehen muss und darf in den letzten 30 Jahren meines Lebens. Dementsprechend ist es durchaus wichtig für mich, aber es ist erst mal so eine große Zahl, dass andere das als Luxus empfinden. Dementsprechend, wenn ich damit nicht klarkomme, auf welche Art Weise auch immer das als Luxusproblem empfinden. Wie typisch deutsch ist das? Luxus und Neid, wie nahe liegt das beieinander?
speaker-0: Ja, das ist ein sehr deutsches Phänomen. Wir haben ja so eine Neidkultur, dieses Anderen etwas missgönnen oder auch die Schadenfreude ist ja dieser Begriff, der nur im Deutschen existiert, dass man sehr darauf bedacht ist, dass Dinge gleichmäßig verteilt sind, dass wir egalitär sind und wenn jemand natürlich deutlich wohlhabender ist, dann schürt das diese Gefühle von Neid, das ist ungerecht, Missgunst und so weiter. Weniger ausgeprägt ist das zum Beispiel in den USA. Zumindest ist das mein Empfinden. Ich pendel zwischen Berlin und LA und ich hab den Eindruck, da gönnt man eher, man freut sich eher mit mit den Erfolgen anderer. Man schaut auch nicht so hämisch oder so kritisch darauf, wenn jemand sehr viel hat materiell. Und diese Missgunst ist einfach in Deutschland sehr, sehr ausgeprägt. Und das hängt einfach stark damit zusammen, was kulturell erwünscht ist, geht es ⁓ die Leistung, dass man sagt, wir bewundern Menschen, die leistungsstark und erfolgreich sind und erkennen das an. Oder ist unser Wert in der Kultur eher, wir möchten, dass Dinge gleich und gerecht in Anführungszeichen sind. Dann kann Reichtum oder Wohlstand auch schnell als etwas Negatives ausgelegt werden. Und in Deutschland sind wir zum Beispiel deutlich stärker fokussiert auf diese Egalität. Wir haben zum Beispiel diese großen relativ gute soziale Strukturen, Menschen aufzufangen. Da spiegelt sich das wieder, aber einfach diese Wertigkeit von Menschen sind gleich und es soll gerecht sein, bitteschön. Das kann sehr schnell so eine Neidkultur auch befeuern.
speaker-1: Wenn jetzt jemand das selbst für sich nicht als Luxus wahrnimmt, vielleicht sogar wie gesagt als Existenz notwendig für seine Altersvorsorge, aber eben viel für andere denkt und vielleicht auch mitbekommt, dass andere das als ein Luxusproblem für die Person empfinden, was würdest du so einer Person an Tipps mitgeben, damit sie damit besser klarkommt mit dem Luxusproblem, was andere denken, was das Luxusproblem für die Person wäre?
speaker-0: Mit welcher von den beiden Personen?
speaker-1: Also die Person, quasi das Geld bekommen hat und von anderen quasi wieder gespiegelt bekommt, das ist... Das ist noch ein Luxusproblem für dich. Also jetzt mal ehrlich, so nach dem...
speaker-0: Okay. Ich glaube, was hilft ist, dass man sich mal kurz auch in die Lebensrealität des anderen einfühlt, weil häufig das wirkt sehr bösartig, ist aber häufig kein böser Wille, sondern wenn ich mir jetzt mal überlege, da ist jemand, der muss jeden Monat gucken, wie er über die Runden kommt und wie er seine Miete bezahlen kann, dann ist das für diese Person vielleicht auch nicht nachvollziehbar und wirkt so ein bisschen auch... schmerzhaft zu sehen, wenn ich dann die Ecke komme und dem von meinem Problem erzähle. Und das ist eigentlich meilenweit entfernt von dessen Lebensrealität. Und das kann man sich, glaube ich, bewusst machen, dass viele Menschen mit anderen Problemen im Alltag zu kämpfen haben und das dann vielleicht nicht so nachvollziehen können. Und da kann man ja auch so bisschen Rücksicht drauf nehmen, dass man vielleicht über so sensible Themen nur mit bestimmten Menschen spricht.
speaker-1: Aber verheimlichen würdest du es nicht, oder? Also, mein, das ist ja ... auch nicht der richtige Weg, oder? Wenn ich jetzt ... Klar, man hängt sich an die große Glocke, das versteh schon. Aber ich mein, gar nicht drüber zu sprechen, wenn man selbst auch Ängste und Themen damit hat, kann ja dann, nur weil andere schlecht über mich denken oder in einer anderen Lebenssituation sind. Natürlich vorausgeht's, ich hab mit denen eine Beziehung. Nicht random, die ich auf der Straße treffe. Aber andersrum muss ich ja auch irgendwie ... Möglichkeit haben, selbst damit klarzukommen, oder?
speaker-0: Ja, denke, es geht nicht verheimlichen, sondern die Art Weise, wie ich darüber spreche. Also wenn ich zum Beispiel jetzt eine Freundin hab, die wirklich finanziell gerade in der Notsituation ist, dann muss ich der jetzt vielleicht nicht mit voller Inbrunst erzählen, ob ich mir die Luxusvilla für vier oder fünf Millionen kaufen soll, weil das dann gerade nicht passt und bisschen unsensibel ist, einfach so was, was die Lebensrealität betrifft. Nichtsdestotrotz kann man die Person ja einladen und auch teilhaben lassen, aber Ich denke, es geht vor allen Dingen darum, wie ich etwas frame und wie ich das darstelle und mit wem ich über was ganz konkret spreche, ohne dass ich jetzt Dinge komplett verheimliche. Kann man das nicht auch ganz fernab von dieser Neiddebatte mal beleuchten? Das ist doch nur ein Luxusproblem. Man kann ja auch selber das so sagen. Also, dass man vielleicht seine eigenen Gedanken, Wünsche oder Probleme auch einfach abwertet und sich selbst nicht ernst nimmt, wenn man sagt, ja, ich weiß, das ist ein Luxusproblem. Wenn man so was sagt, über andere, dann sagt es eigentlich auch sehr viel darüber aus, dass man gerade selber mit sich nicht so im Reimen ist, dass man vielleicht mit vielen Problemen struggled, die man nicht so richtig gelöst bekommt, dass man sich auch nicht gesehen fühlt in seinem Alltag. Und wenn dann jemand um die Ecke kommt mit einem ganz anderen Problem, zu dem man gerade vielleicht nicht so related kann, dann fühlt man sich eher dazu geneigt, so was zu sagen. Aber ich meine ja auch über sich selbst, oder? Also dass man selbst seine eigenen Probleme als Luxusprobleme quasi abstempelt und damit sagt, ja, sie sind ja nicht so wichtig wie andere Dinge. Und da ist es wichtig, gerade sich selbst, aber auch anderen gegenüber, sich zu sagen, also jedes Problem oder etwas, was mich beschäftigt, das hat immer eine Berechtigung, also irgendwo kommt das ja her. Und es bringt uns nichts. Ich könnte mir jetzt auch jeden Tag sagen, Mensch, meine Probleme, darf mich nicht beschweren, woanders in der Welt verhungern die Kinder oder so. Das sind ja so pauschale Aussagen, mich jetzt aber gerade die, die bei den Problemen nicht hilfreich sind. Und letzten Endes, jedes Problem hat eine oder ist berechtigt, ist erstmal da und ich kann mir dann überlegen, wie ich das reframe. Und natürlich kann ich auch zu dem Schluss kommen. Dieses Problem ist eigentlich eine Nichtigkeit und aufs Leben betrachtet ist es nicht so wichtig und ich lasse da erstmal los, aber ich darf mir schon dieses Problem angucken, ohne dass ich mich oder andere mit ihren Problemen klein mache. Und ich finde, das ist auch der Schlüssel, zu verhindern, dass ich andere Menschen vorschnell abwerte und sage, ja Mensch, diese Luxusprobleme, indem ich mir klar mache, diese Person ist ja ein anderer, eigenständiger Mensch, der hat ganz andere Referenzsysteme und für den ist das Wahrscheinlich gerade ein Valides, großes Problem, auch wenn das in meiner Lebensrealität gerade nicht existiert, dieses Problem. Und das hilft auch dabei, anderen nicht vorschnell abzuurteilen oder Probleme runterzuspielen. Ich würde super gerne nochmal auf den Unterschied zwischen so materiellen Menschen und antimateriellen Menschen eingehen. Du hast ja schon beschrieben, wie das zustande kommen kann, aus welchem Milieu wir kommen, was wir für Prägungen haben etc. Wenn wir uns mal so mentalen Luxus anschauen, da unterfällt wahrscheinlich ja auch Zeit und Ruhe und so weiter, was würdest du sagen, woran merkt man, dass einem sowas fehlt? Vor allen Dingen daran, dass es mir im Alltag nicht gut geht, dass ich zum Beispiel sehr viel niedergeschlagen bin, sehr gehetzt und das Gefühl habe, ich bin nicht mehr ganz bei mir, es fällt mir auch immer schwerer, meinen Alltag irgendwie noch zu bewältigen. Das sind so typische Alarmsignale. wo ich raten würde, mal genauer hinzuschauen, wie geht es mir denn eigentlich gerade und was fehlt mir konkret. Ich finde das total spannend in Bezug mit Geld. Ich habe mir darüber so Gedanken gemacht, es gibt ja schon vielleicht diesen Luxus, dass man sagt, ich muss das jetzt nicht machen. Ich habe eine Putzhilfe, also muss ich nicht selbst putzen. Und da ist ja wieder zeitgleich Geld. Sie ist outsourcing von zum Haushaltssachen, aber auch Kehrarbeit kann zum Beispiel ausgelagert werden. Ist das so, dass man sich also nicht müssen, leisten muss? Und inwiefern ist das auch, wenn du jetzt so psychologisch drauf schaust, wie es Menschen geht, ein wahnsinniges Problem aktuell? Auf jeden Fall, was dahinter steht. Egal, ich mir jetzt eine externe Hilfe leisten kann oder nicht, ist ja immer dieses Prioritäten setzen. Häufig im Alltag haben wir ganz viele Anforderungen, Erwartungen, sind total gehetzt und verlieren dann diesen Fokus für das Wesentliche. Wir haben dann das Gefühl, es ist irgendwie alles gleich dringend und wichtig und ich muss sofort reagieren und reagieren dann reflexhaft, ohne innezuhalten und zu überlegen, Mensch, ist das gerade wichtig? Sollte ich nicht noch mal in mich gehen, bevor ich da reagiere mit einer überlegten Antwort oder gibt es vielleicht auch Dinge, die ich komplett ignorieren kann? Und deswegen ist es wichtig immer wieder zu pausieren, auch wenn es gerade stressig ist oder gerade dann, zum Beispiel einmal den Block zu gehen, sich wieder zu sammeln, klar zu denken und sich zu überlegen, worauf lege ich jetzt hier den Fokus? Und wo kommt das Geld dann da rein? Also das heißt, wenn ich dann sage, der Fokus ist für mich jetzt, mir ist es zu viel, den Haushalt alleine zu schmeißen. Ich kaufe mir das ein, man muss halt den Haushalt schmeißen und es ist einfach kein Geld dafür da. Also wenn ich Geld habe, kann ich mir überlegen, was möchte ich denn auslagern, wofür möchte ich Geld ausgeben oder wo macht es auch Sinn, das zu outsourcen. Was wäre jetzt clever, mit möglichst wenig Investment möglichst viel Mühe sich ersparen zu können quasi. Und wenn ich mir das nicht leisten kann oder wenn gerade nicht die passende Person verfügbar ist, die eine bestimmte Aufgabe übernehmen kann, dann gilt es umso mehr zu überlegen, was sind denn meine Prios und was kann ich vielleicht auch loslassen. Denn je mehr ich zu tun habe, dass du wichtiger wirst, diese Prioritäten zu setzen und sich zu überlegen, wo rein investiere ich meine Zeit. Und das sollte man immer investieren in das Wichtigste und langfristig Wesentliche und nicht in das ganze Klein-Klein im Alltag, wo aber häufig dieser Hesse und der ganze Druck herkommt. Danke, Eva, dass du bei uns warst. Wir haben einiges von dir gelernt. Ich würde mal zusammenfassen Luxus gleich Knappheit. Nicht unbedingt teuer, sondern selten. Luxus ist biografisch und Lebensphasen und auch Prägungen können sich verschieben und es kann sich einfach verändern, was uns fehlt. Also da gerne noch mal nachglaufen, was fehlt dir aktuell gerade in deinem Alltag? Und vielleicht auch Luxus braucht Mut. Zeit, Grenzen, mal Nein zu sagen. Und könnte sogar teurer sein als Konsum. Vielen Dank, dass du bei uns warst. Das war Professor Dr. Eva Asemann. Vielen Dank für die Einladung. Ciao.
speaker-1: Ciao!